Jusos gegen Verschärfung des Jugendstrafrechts

erstellt am: 08.01.2008 | von: Phillip Ropertz | Kategorie(n): Standpunkte

Die Jusos haben sich auf ihrer Vorstandssitzung am 5. Januar geschlossen gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts und die Einführung von so genannten „Jugend-Strafcamps“ ausgesprochen.Dennoch verschließen wir Jusos nicht die Augen vor dem Problem der Jugendkriminalität. Es ist jedoch fraglich, ob ein so ernstes und bedeutsames Thema während der Zeit der Landtagswahlkämpfe in Hessen und Niedersachen derart polemisch diskutiert werden muss.

Fest steht für uns: Härtere Strafen und Erziehungscamps sind nicht der richtige Weg – die bisherigen Strafrahmen reichen völlig aus. Untersuchungen zeigen nämlich, dass harte Strafen potentielle Jung-Kriminelle nicht abschrecken: 1998 wurden die Mindest- und Höchststrafen für Körperverletzungsdelikte bei erwachsenen Tätern deutlich angehoben und diese Gesetzesnovellierungen von der Justiz auch in den Urteilen umgesetzt. Trotzdem ist die Gewaltbereitschaft von 21- bis 25-Jährigen danach weiter angestiegen – als hätte es nie eine Gesetzesänderung gegeben. Für die Jugenstrafcamps gelten diese Beobachtungen analog: In einem Probelauf wurde ein jugendlicher Gewalttäter aus Köln für mehrere Monate in ein gemäßigtes amerikanisches Erziehungslager verbracht. Ergebnis: Er wurde bereits kurze Zeit nach seiner Rückkehr nach Deutschland wieder straffällig.

Jugend-Strafcamps sollen den Bürgern also lediglich das falsche Gefühl geben, dass gegen jugendliche Straftäter etwas unternommen wird. Es soll ein Exempel statuiert werden, dass die eigentlichen Ursachen des Problems in keiner Weise behebt. Ursache dafür, dass Deutsche, aber auch gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund straffällig werden ist fehlende gesellschaftliche Teilhabe. Aber auch fehlende Bildung ist Ursache von Jugendgewalt. Dieser Ansatz wird auch vom bekannten Kriminologen Christian Pfeiffer (Ex-Justizminister in Niedersachen) geteilt. Wissenschaftliche Auswertungen zeigen einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen fehlenden Bildungschancen und Kriminalität auf. In Städten, in denen durch gute Integrationsarbeit jugendlichen Migranten der Besuch eines Gymnasiums ermöglicht wird, sind diese auch deutlich weniger auffällig als in Städten wie München, in denen beispielsweise 60% der jungen türkischen Mitbürger die Hauptschule besuchen.
Daher fordern wir die Verbesserung der Bildungschancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund anstatt unnötige und falsche Exempel zu statuieren. Es muss wieder in die Bildung von jungen Menschen investiert werden. Dies ist vielleicht nicht so öffentlichkeitswirksam, löst aber mittelfristig das Problem der Jugendkriminalität.

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